Donnerstags ist alles gut

Satch Hoyt

(Großbritannien / Jamaika) *in London

Der Musiker, Komponist und bildende Künstler Satch Hoyt hat für Blickachsen 12 drei Versionen einer Installation für die Standorte in Bad Homburg, Eschborn und Frankfurt geschaffen. Hoyt reflektiert in seinen musikalischen und bildnerischen Werken die Kulturgeschichte der weltweiten afrikanischen Diaspora. Dabei versucht er stets, festgefahrene Denkmuster aufzubrechen. Seine Skulpturen und Installationen haben meist einen musikalischen Bezug. So ist die Werkreihe „Kush Yard Totem“ nach Aussage des Künstlers inspiriert von einer alten, aus Äthiopien stammenden Tonaufnahme des synkopischen Gesangs von Nomadinnen, die an einem Brunnen Wasser schöpfen. In Bad Homburg hat Hoyt rund um eine verletzte und eingezäunte Blutbuche im Kurpark acht säulenartige „Totems“ platziert. Sie sind in den Farben der Panafrikanischen Bewegung aus Plastikeimern zusammengesetzt, die er sinnbildlich als Gefäße für das Lebenselixier Wasser einsetzt. Vier einfarbige rote Totems spiegeln hier die Blätter der blutroten Buche – und ihre vom Künstler gewählte Positionierung hinter dem Zaun eröffnet einen weiteren Deutungsspielraum. Hoyts begleitender Klangtext ist vor Ort per QR-Code oder auf www.blickachsen.de abrufbar – zusammen mit zwei flankierenden lyrischen Texten von Jordane Maurs.

Satch Hoyt, britischer und afrikanisch-jamaikanischer Abstammung, ist in London geboren und lebt und arbeitet derzeit in Berlin. Als Musiker und Komponist hat er u.a. auf Louise Bourgeois‘ Album „Otte“ Flöte gespielt und gemeinsam mit Grace Jones mehrere ihrer bekannten Lieder geschrieben. Hoyt tritt häufig als Sänger, Percussionist und Flöstist auf. Eine zentrale Rolle spielen Klang und Musik auch in seiner visuellen Kunst, die er bereits international ausgestellt hat. Sie umfassst Skulpturen und Installationen, die von eigenen Kompositionen begleitet sind, sowie Malerei und Zeichnung. Seine dreidimensionalen Werke versteht Hoyt als „Afro Sonic Signifiers“, als Bedeutungsträger afrikanischen Klangs. Bei den für Blickachsen 12 in Bad Homburg, Eschborn und Frankfurt geschaffenen Installationen „Kush Yard Totem. Octavian Graphic Score“ kommt die klangliche Ebene dreifach zum Tragen: Anregung war eine alte Tonaufzeichnung aus Äthiopien, die Installationen bilden Musikalische Grafiken und sie werden begleitet von einem Klangtext, den Hoyt mit Bezug auf die Klänge der historischen Aufnahme komponiert hat. „Durch Recherche, Erzählung, Vorstellungskraft, Mythos und Fantasie“, schreibt Hoyt, „trage ich weiterhin dazu bei, eine neue allumfassende Schwarze kulturelle Identität zu schaffen.“

Acht ungewöhnliche Säulen aus bunten Plastikeimern bilden auf dem Campus Westend mitten auf einer Wiese einen Kreis. Die Installation „Kush Yard Totem. Octavian Graphic Score 3“ (Kush Yard Totem. Harmonische grafische Notation) ist das Pendant zu zwei weiteren Arbeiten, die Satch Hoyt bei Blickachsen 12 in Bad Homburg und Eschborn installiert hat. Ausgehend von der Oktave als Urgesetz der Harmonie, ergeben die Farben der acht Totems aus je 14 Elementen eine veränderliche, senkrecht wie waagerecht lesbare Musikgrafik als Assoziationsraum für Klänge. „Ihr Rhythmus ist in Windstärken angezeigt und gibt die Klänge wieder, die für immer die Welt der internationalen afrikanischen Diaspora und des Kontinents Afrika umkreisen“, erläutert Hoyt. In Frankfurt setzt er vier einfarbig schwarze Säulen in einen Dialog mit der Architektur des IG-Farben-Hauses im Stil der Neuen Sachlichkeit und mit dessen dunkler Geschichte. „Kush“, dagegen, die alte ägyptische Bezeichnung für Äthiopien, die Wiege der Menschheit, verweist auf die Herkunft der Tonaufnahme der Wasser schöpfenden und singenden Nomadinnen, die Hoyt zu dieser vieldeutigen Installation angeregt hat: „Die zugleich schlichte und komplexe Alltagsverrichtung ließ mich von utopischen Zuständen und von einem Ort träumen, an dem wir alle unser Leben leben können.“