Bernar Venet
Das künstlerische Schaffen Bernar Venets ist eng mit einer kunsttheoretischen Auseinandersetzung verknüpft, wobei er sich insbesondere dem Thema der Linie zuwendet. Neben Gruppen von Geraden und streng geometrischen Bögen realisiert Venet in seinen unverwechselbaren Skulpturen unregelmäßige Spiralformen und Linienknäuel aus Vierkantstahl. Solche „Lignes indéterminées“ (Unbestimmte Linien) hat er Anfang der 1980er Jahre auch als Wandreliefs in Holz ausgeführt. Die Reliefs der in jüngerer Zeit entstandenen Serie „GRIB“, deren Titel sich aus französisch „gribouillage“ (Gekritzel) ableitet, schließen an diese Vorläufer an. Im Unterschied zu diesen lassen sie jedoch keinen Anfangs- oder Endpunkt der Linie erkennen. Ihren Ursprung haben die monumentalen Reliefs in Zeichnungen, die Venet vom Zufall geleitet auf dem Papier ausführt. Dabei entspricht der Formfindung auf dem Zeichenpapier das Herausschneiden des Motivs aus einer dreieinhalb Zentimeter dicken Stahlplatte, das mit dem Schneidbrenner per Hand erfolgt. Aufgrund dieser Technik sind die Formen der Reliefs noch während des Entstehungs- prozesses nicht genau kalkulierbar. Der Ausdruck und die Dynamik der Linienführung und deren Übersetzung ins Dreidimensionale sind das Thema der “GRIB”-Serie.
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