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Sui Jianguo

(China) *1956 in Qingdao, Shandong

Sui Jianguo, Professor für Bildhauerei an der Pekinger Kunstakademie, gilt als einer der prominentesten und einflussreichsten Bildhauer Chinas. Sein im Verlauf von drei Jahrzehnten entstandenes skulpturales Werk spiegelt die unausgesetzte Suche nach einer persönlichen künstlerischen Sprache, die zugleich aktuelle Fragen im Zusammenhang mit dem Wandel Chinas auf dem Weg von der Kulturrevolution zur industriellen Entwicklung berührt. International bekannt wurde Sui Jianguo durch mehrere fortlaufende Serien, deren Werke ambivalente Symbole für das vergangene und für das gegenwärtige China gleichermaßen sind: seine roten Dinosaurier mit der Aufschrift „Made in China“, seine „Made-in-China“-Schriftzüge und die hohlen Mao-Jacken mit dem Titel „Legacy Mantle“, wie sie in „Blickachsen 8“ in Bad Homburg zu sehen waren. „Blickachsen 9 RheinMain“ zeigt nun sehr unterschiedliche Werke von Sui Jianguo auf dem Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität, die einen Eindruck von der Bandbreite seines Schaffens vermitteln.
Zwischen Casino und IG-Farben-Haus stehen drei monumentale Bronzeplastiken seiner Serie „Blind Portrait“. Diese Arbeiten sind das Ergebnis der experimentellen Suche nach einem möglichst authentischen bildnerischen Ausdruck. Mit verbundenen Augen formt Sui Jianguo seine „Blind Portraits“ zunächst im kleinen Format aus Ton, um sie dann vielfach vergrößert in Bronze zu gießen. ‚Blind‘, nur von der haptischen Wahrnehmung geleitet, modelliert er seine Plastik aus der Tonmasse, ohne vorgefasste Formvorstellungen visuell auf sie zu übertragen. Nur rudimentär ist die Form einer Kopfbüste zu erahnen. „Diese Skulpturen kann man nicht als abstrakt oder konkret beschreiben“, sagt Sui Jianguo, „sie sind Träger der Spuren meiner körperlichen Präsenz als Bildhauer.“ Die Unmittelbarkeit des körperlichen Ausdrucks vergleicht Sui mit derjenigen eines Kalligraphen, in dessen Pinselstrich sich seine physische Energie und Persönlichkeit ausdrückt.
Auf der Freifläche vor dem IG-Farben-Haus hingegen ist eine Arbeit Sui Jianguos mit dem Titel „Made in China“ aus dem Jahr 2011 zu sehen. Einem standardisierten 40-Fuß-Seefracht-Container sind als Negativ-Formen in großen Lettern die Worte „Made in China“ eingeschrieben. Sui spielt hier auf die Produktion von Massenware in China und dessen Rolle im globalen Welthandel genauso an wie auf die sozialen Auswirkungen der industriellen Entwicklung im Land selbst. Darüber hinaus kann der Schriftzug als Herkunftsnachweis für den ursprünglichen Container (die meisten Container werden heute in China produziert) genauso wie für das daraus entstandene Kunstwerk und letztlich den Künstler selbst gelesen werden, als Signatur und Auseinandersetzung mit der kulturellen Identität.