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Schwimmende Plastik 7

Schwimmende Plastik 715

In der Regel schwimmen diese Elemente der zweiteiligen „Sculpture flottante", wie Marta Pan ihre Wasserarbeiten nennt, auf dem Berta See in Duisburg, wo sie wie hier in Bad Homburg zusammen mit weiteren Freiplastiken ein abgestimmtes Ensemble für die Freizeitlandschaft bildet. So gilt denn gleichermaßen ihr künstlerisches Bekenntnis sowohl für Duisburg wie für diesen neuen Standort auf Zeit: „Aus der Begegnung von Wasser, Wind, Sonne und Plastik entsteht eine neue Einheit. Sie fängt die Energie der Natur und des Menschen in ein und derselben beweglichen Gestalt auf. Die Plastik und ihre Bewegung, die sie mit dem Wasser und mit dem Wind teilt, werden zu einem Glied zwischen der leblosen Welt und der Welt des Lebens. Sie ist der Begegnungspunkt zwischen der Natur, der Stadt und dem Menschen, eine Verbindung und ein Übergang, ein Ereignis und ein Zeichen" (Marta Pan, 1979).

Die Begegnung mit Constantin Brancusis gerundeter Archaik und die Bewunderung für das Ballett von Maurice Béjart wurden zu den ersten Schlüsselerlebnissen der ungarischen Bildhauerin, als sie 1947 nach Paris übersiedelte. Brancusis elementares Formempfinden sowie die präzise Choreographie lebendig empfundener Körper suchte sie in ihrem eigenen Werk zu realisieren. Dieses Werk sollte sich wesentlich im öffentlichen Raum präsentieren. Vor allem in den „Imaginären Landschaften" konnte der Austausch jener skulpturalen Kräfte stattfinden, der im Gleichgewicht der Plastik, in ihrem Maß und in ihrer Beschaffenheit seine künstlerische Perfektion finden sollte. „Durch diese beweglichen, weil äquilibrierten Formen glaube ich, mich dem Reiche des Lebendigen zu nähern".

Zu den wichtigsten Werken der Künstlerin gehören jene zahlreichen „schwimmenden Plastiken", in denen das Element Wasser mit dem Muschelkörper als einem Leitmotiv der Künstlerin eine Synthese eingeht. Die erste „Sculpture flottante" schuf Marta Pan 1961 für den Park im Kröller-Müller-Museum in Otterlo. Mittlerweile befinden sich vergleichbare Arbeiten in Lausanne (Nr. 2, 1966), im japanischen Hakone Open-Air Museum (Nr. 3, 1969), in Montreal (Nr. 4, 1970), in Bobigny bei St. Denis (Nr. 5, 1971), vor dem Stadthaus von Dallas/USA (Nr. 6, 1977), und nun vorrübergehend in Bad Homburg unsere Version Nr. 7 von 1979/1980. Dieses durch Kette und Stange unter Wasser miteinander verbundene, prismenartige Doppelstück wurde in Polyester ausgeführt und hellweiß getönt. Wie „Mutter und Kind" schwimmen sie in ihrer jeweils asymmetrischen Proportionalität nach oben weisender Wölbungsschalen auf der Oberfläche des Sees. Die Distanz-Stange hält sie auf Abstand, wodurch sich beide Körper bei höherer Windstärke nicht berühren können, sondern eher trabantenartig umkreisen. Der schwebende, wie ein Kristall geschliffene Charakter der Körper wird noch verstärkt durch die Spiegelung auf der Oberfläche des Wassers, die gleichsam die geometrische Formung ergänzend verdoppelt und dem hellen Weiß das strahlende Grün-Blau der Natur hinzufügt.

Künstler Marta Pan
Erstellungsjahr 1979
Technik Polyester, weiß gefärbt, dreiteilig
Maße Durchmesser 113 cm und 225 cm
ausgestellt in Blickachsen 3, Bad Homburg

Kunstwerke von Marta Pan

Blickachsen 3